Leise rieselt der Schnee, kling Glöckchen kling... dsjingelbellsdsjingelbells... klang mir in den Ohren als 2002
auf unserem Jahrestreffen bekannt gegeben wurde, dass unsere östlichen Stammesbrüder
aus der Dresdner Region sich bereit erklärten, dass nächste Jahrestreffen zu
organisieren. Sie hatten eine sehr schöne Präsentation erarbeitet und der Häuptling
Lutz verkündete, dass wir uns in 2003 vom 29. Mai bis 1. Juni alle wiedertreffen würden im malerischen Örtchen
Seiffen. Zum Besuch beim Weihnachtsmann sozusagen.
Wie die Meisten wissen - oder auch nicht - ist Seiffen
ja weltbekannt für die tollenweihnachtlichenHolzschnitzfiguren
(Nussknacker, Engelchen und Räuchermänchen lassen grüßen) und der Zauber von Weihnachten liegt über
diesem Ort, wie eine magische Decke. Aber es ist nicht allein Seiffen, was dieses Treffen so interessant machte, die Region
mit der Naturpracht vom Elbsandstein- Gebirge und die Stadt Dresden tragen auch
ihrerseits dazu bei. Für uns vom Kölner Stammtisch würde es eine lange Anfahrt werden,
aber wir hatten ja noch Zeit genug, um dies zu planen.
Für einige unter uns würde es sogar ein Vorteil sein, weil Seiffenja nicht so weit weg von der Tschechischen Grenze liegt.Ich kannte die Gegend ja einigermaßen. Im Jahr 2000 hatte ich zusammen mit Uta -meine zweite Hälfte - eine Motorradtour durch den Osten gemacht und damals ebenfalls Seiffen besucht. Der Countdown fürs nächste Treffen hat also begonnen. Während unseres Stammtisches in Köln wurde überlegt, welchen Marschweg wir mit unseren Schlitten fahren würden. Wir entschieden uns für zwei Gruppen. Einige konnten sich nicht so lange frei nehmen und wollten die Strecke bis Seiffen an einem Tag schaffen.Die anderen entschlossen sich, die Anfahrt in zwei Tagen zu erledigen. Am Mittwoch, den 28. Mai 2003 sollte es losgehen, erst einmal bis Weimar und am Donnerstag dann gemütlich weiter nach Seiffen. Wir hatten uns alle entschieden, am Freitagfür die Ausfahrt nach Dresden zur Besichtigung der Semperoper. Hier würden wir auch noch eine sehr besondere Begegnung mit der Geschichte haben, aber dass wusste noch keiner.Dass niemals anhaltende Rad der Zeit drehte sich weiter und schon war es 2003.Während der Winterzeit hatte Toni seine Maschine komplett umbauen lassen und auch Ulli ' s Maschine war in ein neues Kleid gehüllt. Für diese Beiden wurde Seiffen zur Premiere, ihre im neuen Glanz strahlenden Cruiser.
Der 28. Mai näherte sich mit raschen Schritten. Am frühen Morgen trafen sich unsere Seiffen- Fahrer
der ersten Gruppe wieder beim Herder an der Autobahnausfahrt in Hennef. Alle
mit Sack und Pack und gut gelaunt fertig für die große Fahrt. Damals auch noch
dabei der Arthur und Martin. Gabi, Bernd 's zweite Hälfte, war auch wieder als
unsere Begleitdame mit Auto dabei. Wir starteten in Richtung Siegen über
Landstraße, um später dann über Autobahn die alte Ostgrenze bei Eisenach zu
überqueren.Kurz hinter Hachenburg
machten wir unsere erste kleine Pause entlang der Landstraße.
Das Wetter war milde und so würde es auch bleiben.
Gegen Mittag ungefähr erreichten wir die alte DDR-Grenze. Hier und da konnte
man noch erkennen, dass hier kein
normaler Grenzübergang war - so wie wir diesen sonst in West-Europa hatten.
Die Gefängnis-Infrastruktur vom alten Regime war noch nicht komplett beseitigt.
Nur mittlerweile hatte sich Tante Beate (Uhse) hier auch schon angesiedelt. In einem Gebäude - nicht weit von Rastplatz entfernt - bot die nette Frau Uhse eine breite Produktpalette zur Steigerung der männlichen und weiblichen Lust an.
Keine Fantasien wurden offen gelassen. Als richtige
Biker konnten wir es uns doch nicht nehmen lassen, dieses hochinteressante Etablissement
einen Besuch abzustatten. Na ja, es
gab da jemand der glaubte, dieses alte Grenzgebäude sei ein Museum zur Geschichte
der DDR-Grenze. Auf jedem Fall nach dem Besuch
am Museum hatten wir Hunger und ich meine richtigen Hunger!
Beim Imbiss am Rastplatz könnten wir direkt unsere
erste richtige Thüringer Bratwurst im Osten kosten. Nachdem wir unsere Gelüste
befriedigt hatten und der letzten Tropfen Kaffee aus dem Plastikbecher durch
unseren Rachen im Magen gelandet war, konnten wir uns wieder unseren Bikes
zuwenden und Weimar entgegen steuern. In dieser geschichtsreichen Stadt hatten
wir unser Hotel gebucht. Irgendwo am Stadtrand in der Nähe eines schönen Parks
sollte es sein.Hier würden wir uns auch
mit Toni (Engels) treffen, der mit seiner frisch umgebauten Maschine im Lieferwagen
anreiste. Er schloss sich unsdann von Weimar an. Es war spät nachmittags, als wir am Hotel
eintrafen. Es war ein altes Haus mit einer großen Außenterrasse, gelegen entlang
einer schattigen Alleenstraße.
In alten Zeiten als Hammer und Sichel noch
regierten, in Person von Honecker und Mielke, wurde in diesem Haus durch die
Parteigenossen regelmäßig gefeiert, hieß es. Die Zimmerausstattung war wahrscheinlich
auch noch aus dieser Zeit. Uta und ich hatten ein Zimmer mit Dusche und Klo. Aber
es gab auch ein Klo auf dem Flur.Das Hotel
hatte drei Etagen mit Zwischenetagen, weil ein Teil des Hotels später angebaut
war.Diese komische Konstruktion würde für mich noch eine
Überraschung haben. (dazu kommen wir später). Wir checkten ein und bekamen unsere Zimmerschlüssel.
Anschließend konnten wir unser Gepäck aufs Zimmer bringen. Einen Aufzug gab es
natürlich nicht in diesem DDR Romantikhotel und wir mussten über die alten
dunklen Holztreppen nach oben. Wir waren alle auf die verschiedenen Ebenen des Hotels
verteilt. Die Zimmer waren so eingerichtet, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Es war sauber und einfach und mit ein bisschen Fantasie war man wieder zurück
in den 60er Jahren. Nun, nach einem ganzen Tag auf dem Bike ist man ja froh,
dass man sich mal richtig duschen und seine Lederkluft ablegen kann. Nachdem
wir hiermitfertig waren, trafen wir uns
unten an der Theke wieder. Inzwischen war auch Toni mit dem Lieferwagen samt
kostbarer Ladung angekommen.
Wir werden dass Prachtstück erst am nächsten morgen
aus dieser Blechbüchse befreien. Wir bestellten unser Abendessen und während wir warteten, löschten wir unseren
Durst mit einem frisch Gezapften . Wir waren alle in super Stimmung.
Die Wetter- voraussagen waren viel versprechendund würden sich auch bewahrheiten. Das Abendessen wurde serviert und als
wir damit fertig waren, genossen wir noch ein paar Bierchen an der Theke.
Die
Zeit flog vorbei und so gegen 22.00 Uhr teilte die Bedienung uns mit, dasssie Feierabend machte. Wenn wir wollten,
könnten wir uns noch ein paar Bier bestellen und dieses dann draußen auf der Terrasse
genießen. Einige von uns hatten sich schon zur Ruhe gelegt, aber die anderen
wollten sich noch nicht vom Sandmännchen beruhigen lassen.
Wir nahmen also denn Vorschlag an und nahmen ein paar Bier mit nach
draußen. Es war ein schöner warmer Frühlingsabend. Nur - da draußen auf der Terrasse
- gab es keine Stühle und Tische und es war ziemlich duster. Doch auf der
andere Seite der Straße, gegenüber dem Hotel war eine beleuchtete Bushaltestelle
mit drei Sitzplätzen.Wasbrauchte man noch mehr. Bertram und Achim
machten schon mal probesitzen und die anderen kamen gleich nach.
Und
so kam es, dass sich in dieser Nacht eine Ossi-Bushaltestelle in einen Kölsche Treff
verwandelte. Als der Busfahrer mit seiner letzten Runde so gegen 23.00 Uhr eintraf,
hat er wahrscheinlich seinem Ohren nicht geglaubt, als man ihm auf gut Kölsch sagte:
wir wolle noch net nach huus joan , fahre mol weiter . Schließlich wurde es dann doch Zeit, in die Heia
zu gehen und sich in Morpheus Obhut zu begeben. In ein paar Stunden wird uns
die Sonnewieder anlächeln und hieß es
... on the road again. Wir gingen also zurück zum Hotel und suchten uns im Dunkeln
unser Zimmer. Schnell ausgezogen, unter die Decke und ab ins Traumland, so
sollte es sein. Aber wenn man was getrunken hat, kann es sein, dass man später
einen Druck auf der Blase spürt und obwohl man eigentlich nicht aus dem Bett
will, doch den Gang zur Toillette machen muss. So erging es in dieser Nacht
auch mir. Ich weiß nicht mehr wie spät es war und wann ich aus dem warmen Bett
geschlichen bin. Noch schlaftrunken machte ich mich auf den Weg zum Klo. Obwohl
wir eine Toilette auf dem Zimmer hatten,
fiel dies mir nicht mehr ein und ich verließ
mein Zimmer auf der Suche nach dem geeigneten Örtchen auf dem Flur. Dies war
doch irgendwo auf einer Zwischenetage, aber welcher? In tiefster Finsternis fand ich den Weg zum
heiligen Gral . hmm ich meine Urinal. Das hatte ja noch gut geklappt, aber jetzt
zurück zum Zimmer: und da fing der Spaß an. Ich war ja noch immer vom Schlaf
(oder war`s das Bier?) benebelt und dieses dunkle Treppenhaus machte mich
irgendwie orientierungslos. Stufen runter, Stufen hoch und hoppla da stand ich
in der Küche des Hotels. Ich verstand die Weltoder besser gesagt, das Hotel nicht mehr. Wo war mein Zimmer geblieben?Also wieder hoch Treppen rauf, mal nach links mal nach rechts, das musste
doch mein Zimmer sein oder?Ich macht
leise die Tür auf, wollte ja meine Liebe nicht aufwecken.Nur was war dann jetzt los? Da war schon jemand
anderes in meinen Bett? Ich bemerkte doch zwei Personen darin. So langsam wurde
mir klar, dass dies doch nicht mein Zimmer war. Ich schlich mich leise wieder
raus und hoffte, dass keiner mich
gesehen hatte. Ich war ja pudelnackt! , und hatte ja nicht damit gerechnet,
dass ich mich in diesem Geisterhaus verlieren würde: ich wollte doch eigentlich nur kurz aufs Klo.Durch diese Aufregung wurde ich wieder einigermaßen
klar im Kopf und fand beim nächsten Versuch
doch zurück im mein Zimmer. Ich darf nicht
daran denken, was passiert wäre, wenn
jemand mich nackt durch das Hotel hätte irren sehen (na, vielleicht hätte
er/sie ganz große Augen bekommen).
Der Morgen kam und wie üblich, trafen wir uns alle
beim Frühstück wieder.Es fiel uns auf,
dass schon richtig was los war im Hotel. Wo keiner von uns mehr dran gedacht
hätte, es war ja Vatertag und so wie es aussah, fing man hier schon früh mit Feiern
an. Dass Bier floss reichlich in diese frühen Stunden. Wir ließen uns nicht
aufhalten und machten unsere Maschinen klar für die Weiterfahrt nach Seiffen. Auch
Tonis Prachtstück (bitte keine falsche Gedanken hier!) wurde entladen und von
allen bewundert.Die Jungs von Bad Max
hatten auf dem ersten Blick gute Arbeit geliefert, man musste allerdings lange
warten können und genügend Taler mitbringen. Trotzdem war alles doch nicht so perfekt,
wie sich nach einigen Monaten herausstellen würde. Die weiße Lackierung mit dem
orangen Tribal-Muster würde auch auf einen customcar nicht schlecht aussehen. Man
mag es sehen, wie man will, aber ein eyecatcher ist sie sicher.Sobald alle fertig waren, konnten wir uns nun
wieder auf dem Weg begeben.
Mit
dem Duft von frisch gegrillten Würstchen und leckerem Grillgut in der Nase,
ließen wir Weimar hinter uns. In den Biergärten, an denen wir vorbeifuhren,
ging so richtig die Post ab. So mancher Vater wird sicher am nächsten Morgen
eine Begegnung mit einem schrecklichen Kater haben. Um schneller voran zu
kommen, ging es auf die Autobahn. Mittlerweile waren die Autobahnen im Osten
besser ausgebaut, wie bei uns im Westen.Mit flottem Tempo rollten unsere Räder übers bügelflache Asphaltbanddurch die neuen Bundesländer.
Um den Durst unserer 75 Pferdchen zu löschen, wurde eine Tankstelle
angefahren. Wegen des Feiertags stand der ganze Parkplatz voll mit Trucks.Wir machten eine kleine Pause und genossen
die bewundernde Blicke der Trucker für unsere Langstreckencruiser.
Nachdem unsere Bikes versorgt waren, wurde es auch Zeit,
um den inneren Mensch zu stärken. Wir hatten genug von der öden Autobahn und kehrten
zurück zur Landstraße. In einen oder anderen Ort würden wir schon fündig werden.
In einer kleinen Stadt, wovon mir den Name entflogen ist, fanden wir eine urige Kneipe, wo wir eine Kleinigkeit
Essen und Trinken konnten. Nach der kleine Mittagspause ging es durch ländliche
Dörfer und entlang idylisscher Bachläufe weiter zum Ziel. Seiffen war nicht
mehr so weit weg, aber unser Navigator schien sich nicht mehr sicher zu sein
und so drehten wir noch ein paar extra Runden. Aber dass war ja nicht schlimm,
wir hatten Zeit. Wir erreichten Seiffen dann so gegen 17.00 Uhr und fuhren
direkt zum Haus des Gastes, wo jeder Teilnehmer sich anmelden sollte. Hier werden
während unseres Treffens auch alle Veranstaltungen stattfinden. Als wir am Haus
des Gastes ankamen, war unsere zweite Gruppe auch schon da. Sie standen
draußen an einem der Stehtische und genossen schon einen kühlen Drink.
Uli, Karl, Willi und Klaus hattenrichtig Gas gegeben und waren daher um
einiges Früher als wir angekommen. Nach einer herzlichen Begrüßung wurde angemeldet.
Es waren schon viele gekommen und der Parkplatzwar eingenommen von Mitgliedernunseres Vereins. Wir trafen uns wieder mit alten Bekannten. Nun zu lange
bleiben konnten wir nun doch nicht, erst musste noch im Hotel eingecheckt
werden. Die Maschinen wurden wieder in Bewegung gebracht und langsam fuhren wir
durch Seiffen auf der Suche nach unserem Hotel. Einen weihnachtlichen Holzschnitzladen
nach dem Andern gab es entlang der Hauptstraße.Für jemand, der sich hier ein Nussknacker oder ein anderes
weihnachtliches Präsent kaufen will, heißt es tatsächlich: die Qual der Wahl.
Das Hotel lag auf der Wettiner Höhe, direkt im Dorf und hieß auch so. Ein
Großes schönes ländliches Haus mit großem Parkplatz und einen schönen Ausblick
auf Seiffen und Umgebung.
Im Hotel war alles sehr modern und Top
eingerichtet. Vom Hotel bis "Haus des Gastes" war es gut 10 Minuten zu Fuß.
Also wurden die üblichen Sachen schnell erledigt und danach gingen wir zusammen
zurück zum Treffpunkt. Hier hatte das Abendprogramm
gerade angefangen. Aber unsere Leute hatten uns im Saal einen Platz
freigehalten. Es gab ein paar Erläuterungen zu den Ausfahrten am nächsten Morgen und Infos übers Treffen
im Allgemeinen, dann wurde zum Angriffaufs Buffetgeblasen. Es würde ein gemütlicher Abend mit Freunden
und Bekannten. Unter einen bunten Sternenhimmel gingen wir wieder zu Fuß zurück
zum Hotel. Der Morgen kam schnell und nach dem Frühstück machte die Kölner Gruppe
sich auf dem Weg zur Verabredung mit Frank (Geronimo). Frank war unser
Reiseführer für diesen Tag und wird uns Dresden und Umgebung zeigen. Wir trafen
uns mit Frank auf dem leeren Parkplatz vor dem Haus des Gastes in Seiffen. Es
war ein prächtiger Morgen, in diesen frühen Stunden übergoss die Sonne uns mit
ihrem zarten Morgenlicht und sie würde den ganzen Tag nicht von unser Seite
weichen.
Wir plauderten noch ein bisschen und dann ging es
los Richtung Dresden. Wir fuhren eine direkte Strecke zur Stadt weil wir bereits
in der Semperoper um 10.00 Uhr eine Einladung hatten. Frank fuhr ein flottes Tempo
und schnell ereichten wir unser Ziel. Die Motorräder wurden in der Nähe des Pulverturmes
auf einen abgesperrten Parkplatz abgestellt und dann ging es zu Fuß zur
Semperoper. Ein Spaziergang durch die Geschichte
Dresdens, diese Stadt voller historischer Barockbauten. Die meisten wurden fast
alle im dem zweiten Weltkrieg zerstört aber später wieder original getreu neu
aufgebaut. Auch so die Semperoper und wir konnten die berühmteFrauenkirche sehen, bei welcher der
Wiederaufbau noch in vollem Gange war.Unsere kleine Gruppe erreichte den Theaterplatz an der Semperoper.Vor den Eingangstüren der Semperoper hatten
sich schon lange Schlangen mit Besuchern gebildet. Man konnte denken, dass
würde noch eine Weile dauern, bevor man da rein kam. Aber Frank versicherte uns
dass würde kein Problem sein. Man hatte für unseren Besuch ein Stadtoffizier
bestellt, und siehe da, über den Theaterplatz kam ein komisch gekleideter Mann
auf uns zu. In einer Uniform aus dem siebzehnten Jahrhundert in Rot, Gelb und Grün
stand er dann vor uns und stellte sich vor als unser „Dresdner Stadtoffizier“
vor, der uns während unseres Besuches begleiten wurde.
Dieser farbenfrohe Stadtbeamte war unser: „Sesam öffne dich“ für alle geschlossene Türen. Da, wo Andere
lange anstehen mussten, öffnete er uns den Eingang für die besonderen Besucher
und schon waren wir im Empfang der Semperoper. Eine nette Dame begrüßte uns und
begleitete uns durch die Oper. Unseren Garde-Offizier würden wir dann später wieder
sehen. Vom Empfangsraum, wo man seine Jacken abgeben konnte, ging es dann los.
Der Saal, die Kulissen, die Logen, die Bühne - alles hatte so seine schönen Eigenheiten. Es ist schon etwas Besonderes,
die Semperoper auf diese Art zu besuchen. Am Ende landeten wir in der Bar der
Oper, die auch einmalig ist. Es war inzwischen fast Mittag und draußen stand
die Sonne in ihrem Zenith. In der Bar der Oper war es schon ganz schön warm und
darum hatte man die großen Fenster geöffnet. Aber nicht nur die Fenster waren offen,
auch die Balkontür und dies war, wie unsere Führungs- Leiterin sagte, schon
eine Seltenheit. Normal wurden nur bei besonderen Anlässen die Balkontüren
geöffnet. Also hatten wir die Gelegenheit, von dort oben einen kühlen Drink zu
genießen, mit einer schönen Sicht auf das Terrassenufer entlang der Elbe und
dem großen Platz mit anliegenden Gebäuden. Das war eine einmalige Gelegenheit,
die wir uns nicht nehmen ließen. Im letzten Jahr hatte hier alles noch unter Wasser
gestanden durch die Überflutung der Elbe. Ich ging auf den Balkon und geboss die Mittagssonne doch ich verschluckte mich fast an meinem Drink, als ich sah, was sich da unten auf dem Platz versammelt hatte.
Eine Kolonne alter Wehrmacht-Fahrzeuge im hellem Braun.
Lkws , Pkws und sogar Motorräder. Der Wüstenfuchs Erwin Rommel läst grüßen, war
etwa das Afrikakorps zurückgekehrt? Nein, wie ich später herausfand, ging es
hier um eine Versammlung von Liebhabern dieser alten Fahrzeuge. Es stimmte mich
doch ein bisschen nachdenklich, so etwas in einer Stadt zu sehen, welche so vom
Krieg geschändet wurde. Unser Besuch in der Oper ging zu Ende und in Begleitung
unseres Stadt-Offiziers ging es Richtung Zwinger. Wir spazierten über den
schönen Platz davor, mit seinen Brunnen und Statuen, und hier passierte es:
Plötzlich wurde der Namen unseres Stadt-Offiziers gerufen, welcher mit Majestät
antwortete und machte eine tiefe Verbeugung. Als ob sich eine Zeittür öffnete
und heraus getreten kam majestätisch im vollen Ornat: August der Starke , der
wohl größte Sachsenkönig.
Dieser Monarch begrüßte uns mit Etikette und Gepflogenheit,
wie es damals an den Königshäusern so üblich war. Eigenartigerweise kannte der
Sachsenfürst sich gut aus im Rheinischen und sogar in Siegburg und Hennef. Wir
waren allen erstaunt von dieser beeindruckenden Figur, die uns mit Witz und Jux
über sein Leben und die Geschichte Dresdens erzählte. Dazu auch noch in eine Art
wie anno damals geredet wurde. Nach einem ungefähr 20-minütigem Monolog erzählte er uns, er seihe
hungrig geworden von all dem Reden und dazu seihe es Zeit zu speisen. Wir
sollten seinemBeispiel folgen und ihn
im den Sophienkeller begleiten. Dieser Sophienkeller war ein Restaurant mit besonderem
Flair, direkt gegenüber dem Zwinger. Das Gebäude war in alten Zeiten noch Teil einerStadtbefestigung. Unten im großen Kellerraum
war der Speisesaal untergebracht. Und was für ein Saal !
In
einer Ecke stand ein Grill, wo ganze Schweine gebraten wurden. In der anderen
Ecke des Lokals stand ein altes Kettenkarussell, auf welchem statt Pferdchen, Tische
ihre Runden drehten. An diese konnte man Platz nehmen, wie auf einem echten Kettenkarussell
und während dem Essen drehte man ganz langsam seine Runden. Die nette Bedienung
war angezogen wie in den Wirtshäusern von anno damals. Und
zum Essen gab es natürlich deftige deutsche Küche, hier standen noch dicke Bohnen
mit Speck und Wurst auf dem Menü. So richtig was für den Arbeitsmann sagte der
Klaus. Aber dieses Lokal hatte noch mehr zu bieten: sogar einen echten Folterraum
und einen Alchemistenkeller. Also wer lecker speisen möchte und dazu noch etwas
erleben will, dem kann man den Sophienkeller sicher anraten. Wir nahmen Platz
an den großen Holztischen und freuten uns schon auf den Gaumenschmaus. Unser
Stadtoffizier und seine Majestät wünschten uns ein wohlschmeckendes Mahl und
verabschiedeten sich von uns. Nach dem Mittagmahl verließen wir den
Sophienkeller und begaben uns zurück zu unseren stählernen Rössern. Unser Besuch
Dresdens war aber hiermit noch nicht zu Ende. Wir verließen den alten Stadtkern
und Frank führte uns durch den dichten Stadtverkehr zur Alten Molkerei!. Hier
handelt es sich um ein altes Gebäude, in welchem seit weit über 100 Jahren ein Molkerei-
Geschäft untergebracht ist. Das Besondere ist aber, dass alle Wände in dem Geschäft
mit Delfts Blau gefliest sind und es eine der wenigen Häuser in Dresden ist,
welches im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Nach einem kurzen Besuch in
diesen Laden lenkte Frank uns aus der Stadt und es gingwieder über Hügel und durch Täler Richtung
Seiffen. Wir genossen die Landschaft, aber die Spuren der großen Überschwemmung
des letzten Jahres waren an manchen Bachläufen noch immer sichtbar. Es wurde
ein schöner Nachmittag und bei einer Pause unterwegs meinte Bernd,das er Lust auf ein Eis hätte. Nun, `ne
italienische Eisdiele zu finden in den Wäldern des Erzgebirges ist keine
leichte Aufgabe. Doch ein wenig später fanden wir entlang einer einsamen Landstraße
ein Lokal, wo es Eis gab. Bernd
war zufrieden und wir auch, das Eis war eine willkommene Erfrischung. Am späten
Nachmittag landeten wir dann wieder am "Haus des Gastes" in Seiffen, wo wir uns
mit unseren Stammesbrüdern wieder trafen. Es würde noch ein bisschen geplaudert
und dann ging's zurück ins Hotel, um sich fertig zu machen für die Abendveranstaltung. So
rund sieben Uhr fing diese an und nach den üblichen Infos und Clubprotokollenkonnten wir dann das Buffet in Angriff
nehmen. Ein
schöner Tag ging zu Ende und auch der nächste würde ein Erlebnis werden.
Am nächsten Morgen rund 08.45 Uhrversammelten wir uns alle in verschiedenen Gruppen.
Mit zehn Minuten Zeitinterwall, fuhren wir los zum
ersten Ziel, dem Marktplatz von Marienberg. Wir Kölner Royalisten waren
zusammen in einer Gruppe und würden als Dritte starten. Die Wettervorhersage
stimmte noch immer, die Sonne
streichelte uns mit ihrem goldenen Licht und es war kein dunkles Wölkchen zu
sehen.Im Laufe des Tages würde dies
sich aber ändern. Einer nach dem anderen verließen die RoyalStar-Gruppen den Parkplatz
und schon waren auch wir unterwegs. Über die Silberstraße durchs Erzgebirge zu
einem der größten Marktplätze Deutschlands. Wir erreichten Marienberg und alle Gruppen
versammelten sich auf dem Marktplatz.
Während unserem Halt hier, hatte man Gelegenheit,
sich das Städtchen anzuschauen, aber es war auch eine Chance,mal in Ruhe alle Maschinen zu begutachten. Einige
waren auch erst am diesen Morgenangekommen.
Es waren schon klasse Bikes dabei, wovon ein Paar
doch aus unseren eigenen Reihen kamen. Als es Zeit wurde, um diese alte Bergmannsstadt
zu verlassen, hatten sicham Himmel
dunkle Wolken breit gemacht und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann wir
mit Regen gesegnet würden. Die Chromritter setzten sich wieder in Bewegung und
der nächste Haltepunkt auf unserer Reise durch diese wundervolle Landschaft war das MZ
Motorrad und Zweiradwerk GmbH in Zschopau. Die Gruppen werden einer nach der
anderen eintreffen und jede Gruppe erhielt eine Einzelführung durch das Werk. Anschließend
konnte man eine Kleinigkeit essen und ne Tasse Kaffee trinken in der
altehrwürdigen MZ–Kantine. Für meine Uta wurde dies eine Begegnung mit der Vergangenheit.
Sie hatte nämlich als junges sächsisches Mädsche ihre Lehre als Dreher im MZ-Werk
gemacht. Als wir endlich auf dem Parkplatz des MZ-Werkes eintrafen, hatte es
angefangen zu regnen. Also schnell zum Empfangsgebäude, wo ein MZ-Mitarbeiter auf
uns wartete und uns auf den letzten Stand in SachenMZ Motorräder brachte.
Nach
dem Mauerfall hatte sich bei MZ einiges getan, man fand neue Investoren und das
Werk wurde modernisiert. Die Modelpallette reichte von 50cc Leicht-Moped bis zum
1000 cc twin, der damals gerade fertig wurde. Man sah hinaus in eine gute Zukunft.
Heute wissen wir, dass alles dann doch nicht so gelaufen ist, wie die Jungs von
MZ gewollt hatten. Schade eigentlich, weil mit MZ wieder ein Teil Deutscher
Motorradgeschichte verschwand. Während
unseres Besuches durchliefen wir die heiligen Hallen des Motorrad-Werkes und
sahen, wie die Bikes zusammen gebaut wurden. In einer der Hallen, wo noch alte
Dreh- und Fräsmaschinen standen, erkannte Uta sogar noch die alten Werkzeugkisten
und Geräte, wo sie damals noch mit gelernt hatte. Nach ungefähr anderthalb Stunden
war der Rundgang zu Ende undwir konnten
eine Pause in der Kantine einlegen. Bei Kaffee und Kuchen oder einem
traditionellen Bock-Würstchen überlegten wir uns, ob wir mit Regenklamotten
oder ohne weiterfahren sollten. Das Dritte und letztes Ziel unserer Ausfahrt
war das berühmte Schloss Augustusburg. Hier wird jedes Jahr auch ein Wintertreffen
für Motorradfahrer organisiert. Es ist eigentlich nicht so bekannt wie das Wintertreffen
am Nürburgring, aber hat trotzdem seine Fangemeinde, die dann meistens auf alten
Ostbikes dahin gelangten. Im
Schloss selbst gibt es ein kleines aber feines Motorrad-Museum mit Exponaten
von verschiedenen alten Marken aus dem Osten, aber auch eine alte, schöne
Indian gibt es zu bewundern. Uta und ich entschlossen uns, unsere Vollkörperkondome anzuziehen und
dem Regen keine Chance zu geben, uns diese schöne Rundfahrt zu vermiesen. Vom
MZ-Werk aus ging es dann wieder durch die Landschaft zum Schloss Augustusburg.
Die Jungs aus dem Osten hatten es sogar geschafft, dass wir mit unseren Maschinen auf dem Schlosshof
parken durften.Als die ganzen Gruppen
dann beim Schloss ankamen, gab es aber Stau. Wir mussten den steilen Schloßweg hochfahren
über altes Steinpflaster, dazu kam noch, dass es nass und rutschig war durch den
Regen. Oben angekommen musste man dann noch durch ein schmales Tor fahren. Es gelang aber allen doch fast ohne Probleme
auf dem Schlosshof zu fahren. Nun ratet, was uns da begrüßte?
Ein paar kräftige Kamele !!!!Warum diese hier anwesend waren, weiß ich
nicht genau mehr. Hatte wahrscheinlich mit der einen oder anderen Ausstellung
auf dem Schloss zu tun. Nach einer längeren Pause wurde dann das Gruppenfoto
aufgenommen. Also verteilten wir uns Royalisten übers Schloßgelände und einige
von uns starteten einen Erkundungsrundgang, während Andere es sich im Schloßcafe
gemütlich machten.Uta und ich schnupperten
ein bisschen Kultur und besichtigten die alte Schlosskirche. Als wir danach den
Schlossgarten anschauen wollten und zum anderen Ende des Schloßgeländes
spazierten, kamen uns eigenartige Klänge entgegen. Das hörte sich nach Country
und Western Music an.Tatsachlich, im Schlossgarten
hatte man ein großes Zelt aufgebaut und hier fand ein echtes Squaredance Festival
statt. Hier tanzten die Cowboys und ihre Girls in farbenprächtigen Kostümen um
die Wette. Es war ein Genuss hier zu zuschauen. Wir müssten aber wieder zurück
zum Schlossplatz, es wurde Zeit, sich aufzustellen fürs Foto und danach würden
wir unter Polizeibegleitung zurück nach Seiffen fahren.Wir stellten uns alle auf dem Schlossplatz
zusammen und von einer der oberen Etagen des Schloßgemäuers wurde dass Foto
geschossen.Inzwischen war auch die
Polizei angekommen. Zwei Motorrad-Polizisten (auf MZ) und ein Streifenwagen werden
uns eine freie Fahrt zurück nach Seiffen gewähren. Wir brachen auf und eine Kolonne
von 120 königlichen Sternenreitern verliessen unter mächtigem Gedonner das
schöne Schloss.Die Polizisten waren
wirklich gut drauf und die Kradfahrer ernten unsere Bewunderung. Auf ihren
leichten MZ-Maschinen flogen sie von einer Kreuzung zur anderen und unsere Kolonne
kam mit flottem Tempo voran.Eine schöne
Ausfahrt ging zu Ende, aber der Tag war noch nicht vorbei.Die Sonne hatte sich mittlerweile zurück gemeldet
und es wurde ein warme Abend. Wieder angekommen am Haus des Gasteswurde noch mal angestoßen auf die schöne Ausfahrt
und die Polizei wurde sehr gelobt für ihren Einsatz. Danach ging es aber wieder
schnell ins Hotel um sich fertig zu machen für die Feier des Abends.Wir Kölner trafen unsspäter am Eingang vom Hotel wieder, um dann
die Bimmelbahn zu nehmen,die uns zurück
zum Haus des Gastes fuhr.
Die Stimmung war Top, das Buffet war okund es wurde noch besser. Nach dem Essen wurde
der Scheckfür den Kindergarten in
Seiffen übergeben und wir bekamen eine folkloristische Darstellung vom Spielzeugland
Seiffen.Doch dann kam eine junge Musikergruppe
unter dem Namen Pfefferminz. Ein Mädel und zwei Jungs. Das Mädel war die Sängerin und der eine Bursche
spielte Keyboard, während der Andere das Saxofon zum Leben erweckte.Vom Kuschelballaden bis zum rockigen Pophit -
alles war dabei, aber als der Saxofonspieler loslegte mit einem Medleyguter alter Rock and Roll Hits - von Rock around the clock bis zum let’ s twist
again gab es kein Halten mehr.Es war ein Riesenspaß zu Sehen und zu Hören,
wie der das Saxophon beherrschte. Alles in allem war es ein gelungener Abend.
Wir
schauten uns noch mal die Maschinen an, welche draussen vor dem Saal geparkt
waren und dachten an die Heimreise, die wir am nächsten Morgen antreten würden.
Na ja nicht jeder von uns machte sich auf die Heimreise.Unser guter alter Achim - zusammen mit ein
paar von uns fuhr in die Tschechei, zur seiner Schwester und ihrem Mann, die dort
ein schönes Anwesen haben. Für mich und Uta ging es zurück nach Hause und wir
hatten Tony versprochen, mit ihm zurück nach Weimar zufahren.Wir wollten ihm helfen, seine Kiste wieder in
den Lieferwagen zu packen der noch am Hotel stand. Der Morgen kam rasch. Früh
aus den Federn, Frühstück, Maschinen gepackt und schon konnte es losgehen Richtung
Heimat. Wir verabschiedeten uns vom Achim und seiner Gruppe und bald fuhren wir
über die neue Ostautobahn wieder Richtung Kölle. Aber wie versprochen, machten
wir noch einem Stopp in Weimar und verstauten Tonis Schmuckstück wieder im Lieferwagen.
Danach ging es im Speed-Tempo wieder nach Hause. Kurz vor Ende unserer gemeinsamen Fahrtverabschiedeten wir uns auf einem Parkplatz an
der Autobahn. Uta und ich ereichten unsere Stube so gegen 19.00 Uhr.Es war eine lange Fahrt gewesen, wir waren
wieder zu Hause, müde aber voller schöner Erinnerungen an ein feines Treffen in
einem magischen Ort. Nur schade, dass wir den Weihnachtsmann nicht getroffen
haben, der hätte sich bestimmt gefreut, auf `ne Fahrt mit einem unserem Sternenschlitten.
Oder war der Weihnachtsmann doch unter uns? - getarnt in der Gestalt von -.. schaut mal gut drauf